Pille und Co. – Warum du sie absetzen solltest

Ich selber habe leider viel zu lange die Pille genommen und auch sehr früh angefangen sie zu nehmen.

Schon immer habe ich starke Unterleibschmerzen (wenn du wissen willst, wie du einen positiven Bezug zu deiner Menstruation bekommst und lernst mit Menstruationsschmerzen umzugehen, lies dir diesen oder diesen Artikel von mir durch). Und um weniger starke Schmerzen zu haben, wurde mir die Pille von verschiedenen Frauenärzten*innen empfohlen.

Also fing ich mit 14 Jahren an, die Pille zu nehmen und nahm sie bis ich 27 war.

Bis auf die ersten zwei Jahre war ich allerdings immer sehr unzufrieden damit und kann dir auch nur davon abraten.

Die Pille als Emanzipation der Frau

Als die Pille 1960 auf den Markt kam, war das ein großer Befreiungsakt für Frauen. Sie mussten nicht mehr in Angst leben, schwanger zu werden, sondern konnten ihre Familienplanung und ihr Sexualleben selbst in die Hand nehmen. Sie konnten bestimmen, ob sie schwanger werden möchten oder nicht und waren nicht mehr vom Mann und dem Kondom abhängig. Sex und Fortpflanzung waren nicht mehr so unmittelbar miteinander verknüpft.

Nicht nur im Bereich der Sexualität machte die Pille die Frau unabhängiger.

Da sie nun selber entscheiden konnte, wann sie ein Kind bekommen möchte, entschieden sich viele Frauen zunächst für eine Bildungslaufbahn. Die Zahl der Abiturientinnen und Akademikerinnen stieg noch 1960 stark an.

Bis in die 70er Jahre war sie allerdings nur verheirateten Frauen zugänglich. Erst die sexuelle Revolution führte zu ihrer Verfügbarkeit für alle Frauen.

Die Pille ist also ein Meilenstein in unserer Geschichte der Emanzipation der Frau und ein sehr wichtiger historischer Schritt.

Heute allerdings leben wir nicht mehr in den 60er oder 70er Jahren. Und zum Glück sind wir juristisch und wirtschaftlich nicht mehr vom Mann abhängig.

Das heißt, du bist in der glücklichen Lage, zu entscheiden, ob du hormonell verhüten willst oder nicht.

Damit du deine Entscheidung treffen kannst, welche Verhütungsmethode für dich die passendste ist, kläre ich dich über die Pille auf.

Dieser Beitrag ist der erste in meiner Artikelreihe zur Verhütung.

Welche Arten der Pille gibt es?

Seit 1960 hat sich viel auf dem Pillenmarkt getan und mittlerweile gibt es 4 Generationen der Pille. Sie unterscheiden sich in Art, Zusammensetzung und Menge der Hormone.

Sie lassen sich in Mini- und Mikropillen unterteilen.

Die Mikropille

Mikropillen sind Kombinationspräparate, weil sie zwei verschiedene Hormone enthalten: Gestagen und Östrogen. (du möchtest wissen, was die Hormone während deines natürlichen Zyklus leisten? Klick dich zu diesem Artikel)

Mikropillen können in Ein- und Mehrphasenpillen eingeteilt werden.

Einphasenpillen haben während der gesamten Einnahme die gleiche Hormonkonzentration.

Bei Mehrphasenpräparaten variiert die Hormonkonzentration. Hier ist es wichtig die Pillen unbedingt der Reihe nach einzunehmen, weil die Hormone den „natürlichen“ Zyklus imitieren.

In der ersten Zyklushälfte produziert der Körper andere Hormone, als in der zweiten Hälfte.

Die Minipille

Die Minipille besteht aus nur einem Hormon: Gestagen.

Östrogen – Nebenwirkungen gibt es bei den Pillen also nicht.

In Frankreich werden auch nur Minipillen von der Kasse übernommen, weil Östrogen die gefährlicheren Nebenwirkungen hat.

Nebenwirkungen hormoneller Verhütungsmethoden

Die folgenden Nebenwirkungen treten meist auf, wenn du die Pille schon eine Zeit lang nimmst.

Nebenwirkungen, die auftreten, wenn du anfängst sie zu nehmen können zum Beispiel Unterleibkrämpfe, Zwischenblutungen oder Brustspannen sein. Die klingen allerdings oft wieder ab, wenn sich dein Körper an die Hormone gewöhnt hat.

Gewichtszunahme

Wenn du hormonell verhütest, kann es sein, dass du zunimmst.

Das kann einmal daher kommen, dass sich Wasser in deinem Gewebe einlagert. Es kann allerdings auch sein dass du mehr Hunger hast, häufiger isst und aus dem Grund zunimmst.

Verlust der Lust

Vielleicht gehörst du auch zu den Frauen, die nur schwer Lust auf Sex bekommen.

Und genau das kann auch eine Nebenwirkung der Pille sein.

Denn ungefähr 30% der Frauen zwischen 18 – 59 Jahren berichten von sexueller Unlust, die auf die Pille zurückzuführen ist.

Migräne und Kopfschmerzen

Eine der häufigsten Nebenwirkungen bei Einnahme der Pille sind Kopfschmerzen, manchmal sogar Migräne.

Die Kopfschmerzen werden durch den Hormonabfall des Östrogens ausgelöst. Das Östrogen fällt während der einwöchigen Pillenpause ab.

Besondere Vorsicht ist geboten, wenn du unter Migräne mit Aura leidest. Wenn du hier die Pille nimmst, hast du ein erhöhtes Schlaganfallrisiko.

Solltest du diese Beschwerden haben, ist es wichtig, dass du mit deinem Frauenarzt redest und die Pille absetzt.

Depressive Verstimmung

Viele Studienergebnisse zeigen, dass ein Zusammenhang zwischen depressiven Symptomen und Einnahme der Pille besteht.

Forscher*innen der Universität Aachen konnten zeigen, dass Frauen, die die Pille nehmen einen weniger guten Zugang zu eigenen und fremden Gefühlen haben.

Eine Studie der Uni in Kopenhagen hat 2016 herausgefunden, dass Frauen, die die Mikropille oder andere hormonelle Verhütungsmittel nehmen, ein erhöhtes Risiko haben, depressive Symptome zu entwickeln.

Und 2017 konnte eine Schwedische Uni herausarbeiten, dass das Wohlbefinden von Frauen, die die Pille nehmen sich verschlechtert.

Und last but not least, konnte 2018 nachgewiesen werden, dass besonders junge Mädchen durch die Pille häufig Suizidgedanken haben.

Wenn also auch du an solchen Symptomen oder Gedanken leidest, wäre eine Möglichkeit die Pille abzusetzen und zu schauen, wie es dir damit geht.

Sollten die Gedanken nicht aufhören oder vielleicht sogar schlimmer werden, solltest du unbedingt einen Arzt oder Therapeuten suchen.

Krebsrisiken

Diesen Punkt möchte ich nur ganz am Rande erwähnen, da die Forschungsergebnisse sich hier uneinig sind.

Einige sagen aus, dass die Pille das Krebsrisiko erhöht, andere hingegen, dass das Krebsrisiko durch ihre Einnahme sogar verringert wird.

Thrombosen

der Pillenreport 2015 der Uni Bremen hat gezeigt, dass die Gefahr eine Thrombose oder eine Lungenembolie zu bekommen durch die Einnahme der Pille deutlich erhöht ist. Eine Thrombose oder Lungenembolie sind lebensgefährlich.
Besonders die Mikropillen stellen hier ein Risiko dar.

...mehr Gründe die Pille abzusetzen

Und falls die ganzen Nebenwirkungen noch nicht genug Gründe waren, hier noch ein paar:

1. Nebenwirkungen bleiben für immer?

Die ganzen Nebenwirkungen verschwinden häufig wieder, wenn du die Pille nicht mehr nimmst.

Manche können aber auch bleiben.

Eine Studie der Boston University konnte zeigen, dass Testosteron nach Absetzen der Pille nicht auf ein normales Niveau anstieg, sondern auf einem dauerhaft niedrigen Niveau blieb. Testosteron ist das Sexualhormon. Durch Testosteron haben wir Spaß am Sex. Das bedeutet, deine sexuelle Unlust könnte als Nebenwirkung bleiben.

2. Kein Schutz vor Geschlechtskrankheiten

Die Pille schützt zwar vor einer Schwangerschaft, aber nicht vor sexuell übertragbaren Krankheiten.

Das heißt, wenn du einen one – night – stand hast, solltest du trotzdem immer auf ein Kondom zurückgreifen.

Die Pille bietet keinen Schutz vor Geschlechtskrankheiten.

3. Entfremdung von deinem Körper

Außerdem entfremden hormonelle Verhütungsmittel dich von deinem eigenen Körper. Sie gaukeln dir vor, dass du einen „normalen“ Zyklus hast. Deine Menstruation ist allerdings eine Abbruchblutung, wenn du hormonell Verhütest. Das heißt durch einen Hormonentzug kommt es zur Blutung. Du hast keinen natürlichen Zyklus. Er wird durch die Hormone gesteuert.

4. Pille schützt nicht kompromisslos

Und, wenn du dich zum Beispiel mal übergeben musst oder Durchfall hast, solltest du dich auch nicht auf die Wirkung der Pille verlassen. Auch dann musst du noch zusätzlich zu anderen Verhütungsmethoden greifen, wenn du nicht schwanger werden möchtest.

Pille absetzen

Wenn du die Pille absetzen möchtest, solltest du zuerst mit deinem*r Frauenarzt*ärztin darüber sprechen.

Einen „richtigen“ Zeitpunkt, um sie abzusetzen gibt es eigentlich nicht. Du kannst eigentlich jederzeit aufhören, sie zu nehmen.

Bis deine Nebenwirkungen aufhören kann es eine Weile dauern. 3-12 Monate. Das ist je nach Frau unterschiedlich. Jeder Körper arbeitet anders. Einige Körper brauchen länger und bei manchen Körpern geht die Hormonumstellung schneller.

Begleiterscheinungen

Leider kann es auch hier zu lästigen Begleiterscheinungen kommen.

  1. unreine Haut
  2. Haarausfall
  3. Stimmungsschwankungen

Das alles ist der Hormonumstellung geschuldet und pendelt sich auch wieder ein. Auch hier gilt: bei einigen dauert es länger, bei einigen schneller.

Wenn du also am Ball bleibst und sie konsequent nicht weiter nimmst, hören die Begleiterscheinungen auch von ganz alleine wieder auf.

Dein Körper ist wundervoll und regelt das alles selbst.

1. natürlicher Zyklus
2. stärkere Menstruationsblutung (evtl. stärkere Menstruationsschmerzen)
3. du wirst emotionaler

Ob du diese beiden Begleiterscheinungen als positiv oder negativ erlebst, liegt bei dir.

Ich denke, dass es wunderbar ist, dem eigenen Körper näher zu kommen und seinen natürlichen Rhythmus zu erleben und kennenzulernen.

Wenn du wissen willst, wie du lernst, deine Menstruation positiv zu sehen, lies dir super gerne meinen Artikel dazu durch.

Und dann gibt es noch eine Reihe (wahrscheinlich) positiver Begleiterscheinungen:

1. Thromboserisiko sinkt
2. du nimmst ab
3. mehr Lust auf Sex

Du entscheidest...

Die Entscheidung, ob du hormonell Verhüten möchtest oder nicht, ist deine Entscheidung. Es ist dein Körper und du entscheidest, was mit ihm passiert. Du entscheidest, was du ihm zuführen möchtest und was nicht.

Ich denke, es ist wichtig zu wissen, welche möglichen Risiken ihre Einnahme hat.

Es ist wichtig, dass du dich informierst, um deine richtige Entscheidung treffen zu können.

Wenn du dich dann dazu entscheidest hormonell zu Verhüten, total in Ordnung.

Wenn du dich dann entscheidest, dich nach anderen Verhütungsmethoden umzuschauen, auch super.

Ich würde dir natürlich raten, nicht (mehr) hormonell zu verhüten. Aber mir ist besonders wichtig, dass du informiert bist und deine Entscheidung triffst.

Alternative Verhütungsmethoden

Wenn du jetzt mehr über alternative Verhütungsmethoden wissen möchtest, kannst du dich nächste Woche auf meinen Artikel über hormonfreie Verhütungsmittel freuen – ich freue mich auf jeden Fall darauf, ihn mit dir zu teilen.

Mehr Infos

Mehr Infos findest du auf diesem Blog.

Hier.

Oder hier.

Welche Erfahrungen hast du gemacht, als du die Pille abgesetzt hast? Was sind deine Befürchtungen, wenn du sie absetzt? Lass es mich in den Kommentaren wissen.

In Liebe,

deine Pia

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

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Hey, ich bin Pia.
Auf diesem Blog zeige ich dir, einen entspannten Umgang mit dir selbst.
Ich möchte Erholung in deinen Alltag integrieren und über den weiblichen Körper und die weibliche Sexualität aufklären, um einen gelassenen Umgang damit schaffen.
Vielleicht kann ich das ein oder andere Tabu für dich brechen und Wissenslücken schließen.
Ganz viel Spaß auf Vulvarine.

Mehr über mich…

#vempowerment

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